Genealogie

- Kleine Einführung...


Da ich wiederholt gefragt wurde, wie man eigentlich anfängt mit der Familienforschung, werde ich hier mal eine kurze Einführung geben und hoffe, dass möglichst viele Interessierte meinem Beispiel folgen.

Inhalt:

1. Das richtige Alter
2. Wie fange ich an?
3. Wie geht es weiter?
4. Ahnenforschung im Internet
5. Das eigene Wappen

6. "Familienbücher" etc.
 

1. Das richtige Alter

Wann soll man mit der Genealogie beginnen? Ist dies nicht ein Hobby für Rentner? Ja und Nein!
Wahr daran ist, dass bevorzugt alte Leute sich mit der Familienforschung beschäftigen, was wohl hauptsächlich 2 Gründe hat.
Der erste: Man hat einfach mehr Zeit als Rentner. Die Genealogie ist nicht mal eben in ein paar Minuten abgehakt, sondern erfordert Ausdauer, Hartnäckigkeit und schon etwas Geldeinsatz.
Punkt zwei: Ungefähr mit Eintritt des Rentenalters versterben meist die Eltern, die dann die Familienunterlagen hinterlassen und die Frage, wer denn wohl der nächste ist und wer sich in einigen Generationen noch an sie erinnern wird. Spätestens mit dieser Frage nach dem Woher und Wohin wächst auch der Bedarf danach, sich über den eigenen Platz in der Familiengeschichte Klarheit zu verschaffen.
Soviel zum normalen Einstieg in die Familienforschung. Aber wenn man sowieso schon etwas geschichtlich interessiert ist und sich noch kein anderer in der Familie mit der Forschung befasst, kann man auch schon eher einsteigen, was dann einige Vorteile mit sich bringt.
Der wichtigste: Man kann noch die Eltern- und Großelterngeneration mit Fragen löchern, was in der Rente schwer möglich sein wird. Und: Großeltern sind oft sehr ergiebige Informationsquellen. Die unzähligen verwandtschaftlichen Verflechtungen und Anekdoten wird man aus keiner Sterbeurkunde herauslesen können.
Und in den neuen Bereich der Forschung über das Internet können sich jüngere Forscher meist schneller einarbeiten, die weltweiten Kontakte, die sich daraus ergeben, können sie auch noch ein ganzes Leben lang nutzen ;-) Also- sobald man der deutschen und englischen Sprache halbwegs mächtig ist und mit dem Computer umgehen kann- ran an die Online-Familienforschung!!!



2. Wie fange ich an ?

Aus eigenen Erfahrungen kann ich sagen: Ohne Computer läuft hier nichts! Wenn man nicht nur die eigenen Vorfahren ermittelt, sondern auch noch deren Nachfahren, ist man mit Stift und Papier sehr schnell überfordert. Wenn dann noch irgendeiner der Vorfahren auf die Idee gekommen ist, seine Cousine 3.Grades zu heiraten, wird der Forscher sehr schnell den Stift in die Ecke werfen.
Zum richtigen Computerprogramm werde ich hier nichts sagen, dies ist ein sehr weites Feld, am besten man erkundigt sich bei anderen Familienforschern, welche Erfahrungen diese bereits gemacht haben. Wichtigste Regel bei der Auswahl des Programms ist aber: es muss das international gebräuchliche GEDCOM-Format unterstützen! Damit kann man die Informationen mit anderen Forschern austauschen, was die Sache ganz erheblich erleichtert. Und auch die Umrüstung auf ein anderes Programm ist dann (zumindest theoretisch) problemlos möglich.
Wenn man dann ein Programm erstanden hat, gibt man erstmal seine eigenen Daten ein. Auch die Daten der Eltern und Großeltern sollte man noch halbwegs problemlos herausbekommen, auch die der Onkels, Tanten, Cousins und Cousinen.
Und dann kann man doch mal einen Ausflug zu den Großonkels und -tanten machen. Ich achte bei aller Unterstützung des Computers dabei immer darauf, dass ich alle Familiendokumente zumindest in Kopie mit nach Hause nehme. Papier ist zwar bekanntlich geduldig, viel mehr aber noch die Bits und Bytes... Ach ja, daher sollte man auch immer darauf achten, genügend Sicherheitskopien anzulegen.
Besonders ergiebig bei den Nachforschungen sind schon vorliegende Ahnentafeln oder die sogenannten Ahnenpässe, die im 3. Reich angelegt werden mußten. Häufig findet man aber auch Geburts- Tauf- Trauungs- und Sterbeurkunden.
Meine Empfehlung: Alles kopieren, auch alte Zeugnisse, Urkunden, Kaufverträge usw., dann bekommt man sehr schnell einen Eindruck von den damaligen Lebensverhältnissen.



3. Wie geht es dann weiter?

Irgendwann sind dann alle nahen Verwandten zu genervt, als das man nochmal deren Schubladen durchwühlen dürfte und man muss anderweitig weitersuchen.
Sehr informativ sind die Kirchenbücher. Diese wurden ca. seit 1600 geführt, oft aber ist vor 1648 nichts mehr zu finden, da im 30jährigen Krieg das meiste vernichtet wurde. Auch danach sind natürlich nicht alle vollständig- aber wenn es irgendwo nicht weitergeht, forscht man eben bei einem anderen Familienteil weiter, ein Ende hat die Forschung ja sowieso nie.
Spätestens bei den Kirchenbüchern wird einem dann schmerzlich bewusst, dass man die (echte) deutsche Schrift nicht richtig beherrscht :-) Also nichts wie hin zu den Verwandten (die das noch können) und ein wenig geübt.
Da man ja nicht unbegrenzt Zeit und Geld hat, kann es außerdem sinnvoll sein, nicht zu allen Kirchengemeinden persönlich zu fahren. Viele Kirchenbücher wurden von den Mormonen per Mikrofilm verfilmt und man kann sie sich in deren Zentralen angucken, auch wenn man wie ich kein Mormone ist. Ein Besuch bei diesen Experten in Sachen Familienforschung lohnt sich aber auf jeden Fall, ich habe mit ihnen sehr gute Erfahrungen gemacht.
Die Adressen der Zentralen findet man unter anderem in einem Einsteigerbuch, das ich sehr empfehlen kann: Familiengeschichtsforschung von Wolfgang Ribbe / Eckart Henning aus dem Verlag Degener.
Weitere Hilfsmittel sind eine sehr gute Karte (z.B. auch auf dem Computer) und das Telefonbuch von Deutschland, dieses gibt es aber auch im Internet (siehe die Links unten).
Weitere Quellen könnten Bürgerbücher sein, Universitätsmatrikeln, Leichenpredigten, Adressbücher, Schiffslisten usw.



4. Ahnenforschung im Internet

Wenn man schon eine eigene Homepage hat, bietet es sich natürlich an, dort auch eine kleine Suchanfrage zu veröffentlichen, so wie ich das getan habe. Wichtig dabei ist der Eintrag in die Suchmaschinen, sonst findet kein Verwandter die Seite.
Außerdem kann man sich aber aktiv auf die Suche begeben, auch über Suchmaschinen oder direkt auf den genealogischen Seiten, die ich unten bei den Links aufgelistet habe. Wenn man einen nicht so häufig vorkommenden Namen hat, kann man auch mal nach (Email-)adressen mit dem Namen suchen und die Leute gezielt anschreiben.
Was man aber auf jeden Fall braucht, ist viel Geduld. Ein gleicher Name bedeutet noch nicht gleich eine Verwandtschaft. Und selbst wenn diese sehr wahrscheinlich ist, muss sie erstmal nachgewiesen werden. Dabei lohnt es sich dann wieder, wenn man alle Dokumente kopiert hat. Eventuell ist der gesuchte Verwandte ja irgendwo als Taufpate aufgeführt?


5. Das eigene Wappen

Immer wieder taucht die Frage nach einem eigenen Wappen auf. Der wichtigste Hinweis zu diesem Thema: Wappen werden nicht namensgebunden, sondern familiengebunden vergeben! D.h. Wappen dürfen nur von den Nachfahren eines Wappenstifters geführt werden, es bringt gar nichts, wenn eine Familie mit einem gleichlautenden Namen ein Wappen hat- man muss einen Vorfahren finden, der ein Wappen gestiftet hat, dieser hat dabei auch festgelegt, wer führungsberechtigt ist. Sonst hätten ja z.B. auch eine Million Meiers in Deutschland das selbe Wappen- völlig abwegig.
Viele Anbieter von Wappenausdrucken, Wappenschnitzereien, etc. verschweigen bewusst diese Tatsache oder erzählen Märchen von "Stammwappen", "Urwappen" oder ähnlichem- alles Quatsch und Geldschneiderei, solche Wappen ohne Bezug zu den eigenen Vorfahren sind vollkommen wertlos und die Anbieter hochgradig unseriös.
Da sich in den meisten Fällen (in bürgerlichen Familien) kein altes Wappen finden lässt, muss man bei Interesse ein eigenes Wappen stiften und in eine anerkannte Wappenrolle eintragen lassen (bevorzugt beim Berliner "Herold"), dann sollte man sich dafür aber vorher von einem Heraldiker beraten lassen. Das Wappen muss den allgemeinen Gestaltungsanforderungen gerecht werden und darf nicht mit anderen, bestehenden Wappen verwechselt werden können.


6. Familienbücher, etc.

In letzter Zeit sind mir mehrfach sog. "Familienbücher" angeboten worden, die interessante genealogische Informationen zu meiner Familie versprechen. Das dieses Versprechen nicht gehalten wird, kann man schon dem Kleingedruckten entnehmen, ich hatte aber in letzter Zeit glücklicherweise bei einem Verwandten die Möglichkeit, mir ein solches Buch genauer anzuschauen und kann daher an dieser Stelle davor warnen. Normalerweise besteht solch ein Buch zu weit über 90% aus allgemeinen Informationen zur Geschichte des Landes, Geschichte der Namensgebung, Geschichte der Heraldik etc., all dies hat mit dem eigenen Namen noch nichts zu tun. Wenn es dann zum eigenen Namen geht, werden die Informationen immer dürftiger, meist werden einfach Telefonbucheinträge abkopiert. Zur eigenen Familie kann solch ein Buch nur zufällig Angaben enthalten, weil der Verfasser normalerweise aus Gründen des Datenschutzes nicht wissen kann, wer die eigenen Vorfahren sind. Alles was ein solches Buch liefern kann, ist die Information: "Es gab früher mal Personen Ihres Namens, ob diese mit Ihnen verwandt sind, kann nicht nachgewiesen werden." Ob man dafür viel Geld bezahlen sollte, ist doch eher fraglich. So verlockend es scheint, mit dem Kauf eines Buches die gesamte Forschung abgenommen zu kriegen- an der eigenen Recherche führt kein Weg vorbei!
Werden dann auch noch Familienwappen mit angeboten, wird es endgültig unseriös- siehe dazu das Kapitel zuvor. Meist steht aber im Kleingedruckten, dass das Wappen keinen Anpruch auf Authentizität etc. erhebt, weil es ohne diesen Zusatz endgültig Betrug wäre. Darüber hinaus werden gerne auch persönliche Stammbäume angeboten, da aber (hoffentlich) niemand wissen kann, wer Ihre Eltern sind, versteht der Versender darunter natürlich nur einen leeren Stammbaum, in den man seine Daten selbst eintragen kann. Das kann man günstiger selbst herstellen. Fazit: Finger weg von solchen Angeboten, jedes Telefonbuch hat mehr exklusive Informationen über die eigene Familie. Geht lieber den oben beschriebenen Weg der eigenen Recherche.



Tja, jetzt bleibt mir nur noch, viel Erfolg zu wünschen bei der Suche nach den eigenen Verwandten. Und immer daran denken: Auch Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden...


- Links:

  • Familysearch
  • Anchestry
  • Genealogie
  • Volksbund
  • WAST
  • Ellislandrecords

     

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